Mit der Erkrankung Schizophrenie alleine gelassene Kranke, Angehoerige, Betreuer.



1987 eroeffnete ich die 3. Praxis fuer Psychiatrie bzw. Nervenheilkunde in Pirmasens. 2018 waren
wir noch 4. 2024 schliesst die letzte Praxis. 2 reine Neurologie-Praxen bestehen weiter. Dies spiegelt
m.E. eine Wandlung der Nervenheilkunde und Psychiatrie zu einer organisch-biologischen, d.h.
neurologischen, Wissenschaft und somit weg von Psychologie und Psychotherapie. Enttaeuscht die
Psychiatrie wieder verlassende Assistenzaerzte in Pirmasens, schilderten mir sich rasch
erschoepfende aerztliche Weiterentwicklung, wo realiter nur medikamentoes behandelt werde und
es keine befriedigenden Therapieziele fuer Kranke, wie dann auch fuer ihre Aerzte, gaebe. Auf den
unruhig-durchmischten Stationen, wo Gemeindenaehe per se fuer reintegrierend und heilend
proklamiert werde, seien die anspruchsvollen psychotherapeutischen Therapiemanuale nicht
umsetzbar, welche den Aerztenachwuchs auf qualifizierten Fortbildungen faszinierten. Wo in hoher
Assistenzarzt-Fluktuation keine psychiatrischen Fachaerzte fuer Praxis-Nachbesetzungen mehr
ausgebildet werden und die Psychiatrie im Staedtischen Krankenhaus - i.G. zur benachbarten
Pfalzklinik Landeck - auch kein Interesse am Psychiatrischen Medizinischen Versorgungszentrum
MVZ fuer die Weiterfuehrung der ambulanten Behandlung, v.a. ortsgebundener, psychisch Kranker
zeigt - das Geld wird durch die Gesundheitspolitik in der Medizin mit den Betten verdient - erklaert
sich der, fuer mich inakzeptable, Ist-Zustand 2024 der ambulanten Versorgung psychisch Kranker in
Pirmasens. Deshalb bin ich aus der Kommunalpolitik und bei den Freien Waehlern ausgeschieden.
Dort wird mir zu hartnaeckig Krankenhaus-Interesse mit Patienten-Interesse verwechselt.

Die Gesamtentwicklung in Pirmasens laesst mir aber auch ein ganz neues Aufgabenfeld erstehen:
Patienten, Angehoerige, Betreuer in Tagesstaetten, Integrationseinrichtungen etc. fuehlen sich
auch noch ueberfordert, durch die Informationsluecke zu psychischen Erkrankungen, welche, die,
mit sich selbst ausgelastete, Krankenhaus-Psychiatrie in Pirmasens auch noch zulaesst. Auf den
mehrfach an mich, als Rentner, herangetragenen Wunsch hin, biete ich ab Sommer 2024 Informations-
veranstaltungen an, zu mehr Verstaendnis und Hilfe fuer, bis dato hilflos machende, da unverstandene,
psychisch Kranke bzw. an Schizophrenie Erkrankte. Das zusaetzliche Angebot einer Schizophrenie-
Selbsthilfegruppe fuer Betroffene und/oder Angehoerige, in Analogie zu der Demenz-Gruppe in
Pirmasens, habe ich wieder aufgegeben. Gerade an Schizophrenie Erkrankte koennten hier auch
aufgewuehlt werden und wo ab 2024 die Psychiatrie im Krankenhaus Pirmasens einzige zugelassene
Auffangstelle ist, so besteht mit deren Leitung z.Zt. nicht die benoetigte Basis. Von Fruehjahr 2004 bis
Ende 2015 hatte ich in den, von mir moderierten, 38 Qualitaetszirkelsitzungen versucht, das einzubringen,
was mir in meiner Praxis immer mehr gelang: die Orientierung an den wissenschaftlich anerkannten
Leitlinien und Therapiemanualen der Fachgesellschaften, wie sie jaehrlich auf der Fortbildungswoche
der DGPPN in Berlin vorgestellt wurden. Dort war ich i.d.R. der einzige Facharzt aus der Suedwest-Pfalz.
In meinem Qualitaetszirkel wies sich die Psychiatrie-Leitung des Krankenhauses Pirmasens ganz offen
immer nur explizit Beobachterrolle zu. Ihr fuehrungssicherer 1. Chefarzt manifestierte Abgrenzung:
Er hoere sich das an, habe aber explizite Haus-Leitlinien und mache alles wie die anderen Gemeinde-
psychiatrischen Kliniken im Land, d.h. jetzt schon alles richtig. Sein unsicherer, leitender Oberarzt
und jetziger Chefarzt schaffte diese Einstellung nicht alleine mit Abgrenzung, er entwickelte regelrechte
Ablehnung. Diese bemerke ich in Teilen seiner Mitarbeiterschaft 2024 noch, d.h. 4 Jahre nach meinem
Praxisende und wo das Krankenhaus ab 2024 die einzige psychiatrische Anlaufstelle bleiben wird.

Konkret und offen zeigte sich das Zerwuerfnis am 19.01.24 vor 30 Teilnehmern im Arbeitskreis Gemeinde-
psychiatrischer Verbund AGV im Sitzungssaal der Kreisverwaltung Suedwestpfalz. Wo 2024 in Pirmasens
die letzte Psychiatrie-Praxis schliesst und das Krankenhaus kein Psychiatrisches MVZ bildet - i.G. zur
Pfalzklinik in Kaiserslautern - war ich der Einzige in der Runde, der dies nicht einfach so gott-gegeben
hinnahm. Ich musste einwerfen: Die psychisch Kranken waeren somit bei uns besser versorgt, wenn auch
in Pirmasens die Pfalzklinik den psychiatrischen Versorgungsauftrag haette. Das ist im Patienten-Interesse
nur richtig, aber voellig kontraer zum Krankenhaus-Interesse. Es ist mir klar, dass die Psychiatrie den
Fortbestand des Krankenhauses in Pirmasens mitsichert. Intendiert im geschlossenen Kreis hatte ich, dass
das Krankenhaus Pirmasens es sich nicht zu leicht macht, kein Psychiatrisches MVZ in Pirmasens zu
eroeffnen. Die einzige Reaktion kam von einem der 2, mir bis dato voellig unbekannten, Krankenhaus-
Repraesentanten in der AGV woertlich: Das sei wieder eine der Unverschaemtheiten, fuer die ich im
Krankenhaus Pirmasens ja schon jahrelang bekannt sei (Zitatende). Auch mein informeller Klaerungs- und
Annaeherungversuch nach Sitzungsende, aenderte nichts an der massiven Aversion gegen meine Person.
Zur Entschuldigung des Krankenhauses Pirmasens muss gesagt werden: Ich stand da keiner Fuehrungs-
ebene gegenueber. Diese scheint aber psychiatrisch generell inexistent. Das war schon waehrend meiner
Praxiszeit so in der Aerztlichen Kreisvereinigung, als auch wenn ich meine, aus dem Krankenhaus
Pirmasens wieder entlassenen, Patienten nach behandelnden Aerzten in der Klinik fragte. Auch wenn andere
und gestandene Mitarbeiter/innen an der Basis der Psychiatrie im Krankenhaus Pirmasens, sich bei mir
informell u.a. beklagen ueber explizit Schuldgefuehle, weil so wenig fuer Psychisch Kranke gelingen kann
und sich von mir nicht angegriffen bzw. abgewertet, sondern verstanden fuehlen, so genuegte mir die
Feindseligkeit vom 19.01.24 doch, das Angebot einer Schizophrenie-Selbsthilfegruppe gleich wieder zurueck
zu ziehen, nachdem ich es gerade vorgestellt hatte. Wenn in der Gruppe jemand dekompensierte, waere
die Psychiatrie im Krankenhaus Pirmasens ab 2024 die einzige Auffangstation. Mit diesem braeuchte ich
dann eine Basis. Anders herum: Das Zerwuerfnis verunmoeglicht auch die Schizophrenie-Gruppe. Massive
Patienten-Probleme in einem mir feindlichen Umfeld koennten mich eventuell sogar vor Gericht bringen,
da ich ja seit 2020 kein Mandat mehr habe, wie Kassenzulassung als Psychiater.

Es entspricht nicht mehr meinem Lebensbild als 70-Jaehriger, mir nur ans Bein pinkeln zu lassen, von den
Schutzherren der Missstaende, welche viele kennen, gegen die ich aber all zu oft alleine aufstand rein
fuer das Patienten-Interesse. Ich moechte mir absehbaren und vermeidbaren Stress 2024 nicht mehr antuen,
wo ich auch mein ehrenamtliches Engagement fuer unterversorgt gelassene psychisch Kranke, ueberhaupt
nicht gewuerdigt sehe von einer, staedtischen Institution, welche v.a. ungestoert-selbstbezogen gepflegt
bleiben moechte und von ihren kommunalpolitischen Protagonisten auch weiter so gepflegt wird, unbeirrt
von allen zunehmenden realen Versorgungsdefiziten. Wo ich alles gesagt habe, ermoeglicht der selbst-
bestimmte Abgang einerseits mit sich im Reinen zu bleiben und andererseits die Welt so zu lassen, wie sie
nun einmal ist. Es bleibt der Vortrag mit Beginn am 28.08.24 in der Caritas-Tagesstaette Pirmasens.


"Information fuer an Schizophrenie Erkrankte, ihre Angehoerigen und Betreuer" - Vortrag Dr.Klees.pdf